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02.11.2016
Herzsicheres Krankenhaus: Neues Reanimationskonzept umgesetzt
 

 
Das Thoraxkompressionsgerät in der Anwendung

Klinik und Rettungsdienst für Herz-Kreislauf-Krisen bestens gerüstet

Wer im Landkreis Tuttlingen eine lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Krise erleidet, befindet sich trotz dieser schlimmen Lage in einer vergleichsweise günstigen Ausgangssituation. Nicht überall in Deutschland sind Kliniken und Rettungsdienst so perfekt auf Notfälle vorbereitet wie im Landkreis Tuttlingen. Die beiden Gesundheitszentren des Klinikums Landkreis Tuttlingen mit den Standorten Tuttlingen und Spaichingen sowie der DRK Rettungsdienst im Kreisverband Tuttlingen haben in modernste Ausstattung investiert: Dazu gehören 16 neue Defibrillatoren und  drei mechanische Thoraxkompressionsgeräte der neuesten Generation für die automatische Herzdruckmassage.

Bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, wie z.B. bei einem Herzinfarkt, sind Retter noch schneller in der Lage, dem Herz den lebensrettenden Impuls zum Weiterschlagen zu geben und den Kreislauf in Gang zu halten. Aber nicht nur das: Klinikum und Rettungsdienst sind durch ein innovatives Telemedizinsystem miteinander verbunden. Patientendaten können dadurch ausgewertet werden, noch bevor der Patient in der Notfallaufnahme eintrifft.

Dr. Ingo Rebenschütz, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin und Leiter des internen Notfallmanagements am Tuttlinger Klinikum: „Ein derartiges flächendeckendes Reanimationskonzept ist in Deutschland nicht selbstverständlich. Uns war es im doppelten Wortsinn eine Herzensangelegenheit, unsere Region bestmöglich mit Unterstützung modernster Technik für den Notfall zu vernetzen.“

Herzinfarkt – ein Wettlauf gegen die Zeit

Herzinfarkt oder Kammerflimmern sind ein absoluter Notfall. Schnelle Hilfe entscheidet über Leben oder Tod. Sowohl ein Herzinfarkt (Fachbegriff: Myokardinfarkt) als auch Kammerflimmern (lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung) können von einem plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes verursacht  werden. Das beeinträchtigt die Pumpleistung des Herzens stark, die Blut- und Sauerstoffversorgung bricht zusammen, und es bleiben nur wenige Minuten Zeit, diese lebensbedrohliche Situation in den Griff zu bekommen. Fast 300.000 Mal im Jahr tritt in Deutschland so ein Notfall ein; etwa die Hälfte der Betroffenen überlebt nicht, viele nur mit erheblichen Defiziten.

Zeit ist Leben

Das Risiko, an einem Atem- und Kreislaufstillstand zu versterben, lässt sich durch rasches Handeln erheblich verringern. Der Begriff Defibrillation bedeutet sinngemäß „Entflimmerung“. Hierbei wird mittels Elektroden elektrischer Strom an den Herzmuskel abgegeben. Je schneller das Herz mit einem schockgebenden Defibrillator wieder in Gang gebracht und der oder die Betroffene per Beatmung und Herzdruckmassage behandelt wird, umso höher ist die Überlebenschance. Die Überlebensrate steigt weiter an, wenn die Klinik erst einmal erreicht ist.

Neues Reanimationskonzept eingeführt

Der Leitungskreis des Klinikums und der DRK Rettungsdienst im Landkreis Tuttlingen waren sich schnell einig: Die zuverlässige lebensrettende Technik sollte flächendeckend an allen strategisch wichtigen Punkten eingeführt werden. In den Funktionsräumen (wie z.B. Herzkatheterlabor, OP oder Intensivstation) wurde bereits mit großen Defibrillatoren gearbeitet, die zusätzliche Funktionen – wie z.B. die Überwachung der Sauerstoffsättigung im Blut oder eine externe Herzschrittmacherfunktion – beinhalten.

Das Klinikum hat nun seine beiden Gesundheitszentren nun mit zusätzlichen Defibrillatoren bestückt: 16 automatische Defibrillatoren – sogenannte AEDs – wurden so platziert, dass im Notfall immer ein Gerät in Reichweite ist. „Menschen außerhalb des Klinikbetriebs können sich selten vorstellen, dass kardiale Notfälle auch in unserem hochmodernen Betrieb zum Alltag gehören. Bei jedem Infarkt-Patienten in der Klinik gibt es ein Risiko für einen zweiten Infarkt“, so Chefarzt Dr. Michael Kotzerke. Hinzu kommen andere Erkrankungen als Verursacher eines Herzstillstandes. Dass heute überall Defibrillatoren in Reichweite und unmittelbar einsatzbereit sind und zudem jeweils ein LUCAS Thoraxkompressionsgerät in Tuttlingen und Spaichingen für eine automatische Herzdruckmassage zur Verfügung stehen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Ernstfall den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen.

Klinikum und DRK Rettungsdienst arbeiten Hand in Hand

Ein weiterer Pluspunkt für die Lebensrettung im Landkreis Tuttlingen: „Die Rettungswagen des DRK Rettungsdienstes in Tuttlingen wurden mit denselben Defibrillatoren der neuesten Generation sowie mit einem neuen Thoraxkompressionsgerät für die automatische Herzdruckmassage ausgestattet. Die Zusammenarbeit wird vereinfacht und wertvolle Zeit gespart“, schildert der leitende Notarzt Dr. Ekhard Stegmann, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, die Vorteile der standardisierten Notfallausrüstung.

Telemedizin – Im Notfall zählt jede Sekunde

Doch nicht nur die Kompatibilität der Rettungssysteme von Klinikum und Rettungsdienst fördern ein schnelles Hand-in-Hand-Arbeiten: Ein telemedizinisches Kardio-Netzwerk macht es inzwischen möglich, dass die Vitaldaten (z.B. Blutdruck, Puls und EKG) des Patienten vom Rettungswagen aus direkt in die Notaufnahme der Klinik und auf das Handy des diensthabenden Kardiologen übertragen werden. Somit kann der weitere Behandlungsablauf sofort in die Wege geleitet werden.

Das bedeutet beispielsweise, dass bereits ein interdisziplinäres Team im Herzkatheterlabor bereit steht, noch während der Patient im Rettungswagen zur Klinik gefahren wird. Wertvolle Zeit wird eingespart und die lebensrettende Operation – z.B. die Wiedereröffnung eines verschlossenen Kranzgefäßes – kann noch schneller erfolgen.

Diese Optimierung zur Sicherheit unserer Herzpatienten hat erhebliche Investitionen in hochwertige Technologien und Gerätetechnik erfordert. „Für die verbesserten Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Notfall lohnt sich dieser Aufwand, da wir damit unserem Auftrag zukünftig noch besser gerecht werden, eine bestmögliche Versorgung für die Bevölkerung unseres Landkreises zu gewährleisten“, bestätigt Klinik-Geschäftsführer Sascha Sartor.

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