Medizinische Klinik Tuttlingen
Schlaganfalleinheit
 

 


Seit 2001 besteht im Klinikum Landkreis Tuttlingen eine spezielle Schlaganfallstation, die nach dem Schlaganfallkonzept des Sozialministeriums Baden-Württemberg eingerichtet wurde. Im Jahr 2003 erfolgte die Zertifizierung durch die Arbeitsgemeinschaft der Schlaganfallstationen Baden-Württemberg. Inzwischen wurden bereits mehrere Tausend Patienten behandelt.

Die Schlaganfallstation ist mit vier Betten zur Monitorüberwachung ausgestattet und als Teil der Medizinischen Klinik in eine internistische Normalstation integriert.

Die Aufnahme des Patienten erfolgt in der Notaufnahme durch den für die Schlaganfallstation zuständigen Arzt. Die Krankengeschichte wird erfragt, eine körperliche Untersuchung findet statt, Blut wird abgenommen, das EKG geschrieben und in der Röntgenabteilung eine Spezialaufnahme des Gehirns (CCT bzw. MRT) und eine Aufnahme des Brustkorbes angefertigt. Damit können bereits wichtige Informationen über den Entstehungsmechanismus des Schlaganfalls gewonnen werden. Ist eine Hirnblutung als Ursache ausgeschlossen und kommt der Patient sofort nach Symptombeginn in die Klinik, so kann unter bestimmten Voraussetzungen nach international klar festgelegten Kriterien und nach Begutachtung durch ein 24 Stunden verfügbares Team aus Internisten und Neurologen eine sogenannte Lyse-Therapie durchgeführt werden. Darunter versteht man die medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels in einem Hirngefäß, um die Durchblutungsstörung zurückzubilden, denn in etwa 80% ist ein verstopftes Blutgefäß der Grund des Schlaganfalls. Die Betroffenen erholen sich sehr viel schneller und besser als Patienten, bei denen keine Lyse-Therapie angewandt wurde.

Auf der Schlaganfallstation wird der Patient an den Monitor angeschlossen. Durch engmaschige Überwachung können Komplikationen rasch erkannt und sofort behandelt werden. Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Halsgefäße und des Herzens ergänzen die Diagnostik.

Von Anfang an werden rehabilitative Maßnahmen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie...) durchgeführt, dennoch wird auf die Einhaltung der für den Patienten genauso wichtigen Ruhephasen geachtet. Daher sind die Besuchszeiten auf der Schlaganfallstation ähnlich wie auf der Intensivstation begrenzt (von 14.00 bis 16.00 Uhr und von 18.00 bis 19.00 Uhr).

Die Angehörigen werden frühzeitig in das Krankheitsgeschehen mit eingebunden. In einem an die Schlaganfallstation angrenzenden Besprechungsraum können sie ausführlich mit den Ärzten über die Auswirkungen des Schlaganfalls sowie die Risikofaktoren und die Behandlungsmöglichkeiten sprechen. Am Prospektständer im Eingangsbereich der Schlaganfallstation kann man sich mit wichtigem Informationsmaterial ausstatten, das zu Hause nochmals in Ruhe durchgelesen werden kann.

Jeden Morgen findet die „große Visite" statt, an der Ärzte (Internisten und Neurologen aus der konsiliarisch tätigen Praxis Dr. Friedel, Dr. Feiner, Dr. Rüb), Pflegepersonal, Physiotherapeut, Personal des Geriatrischen Schwerpunkts und des Sozialdienstes teilnehmen. Hier wird nochmals ausführlich auf die Beschwerden des Patienten, die therapeutischen Maßnahmen und die weitere Versorgung bis hin zur Organisation einer Rehabilitationsbehandlung eingegangen. Sämtliche Symptome des Schlaganfalls wie z.B. Lähmungen oder Sprach- bzw. Sprech- und Schluckstörungen werden individuell vom Team in genauer Absprache behandelt. Bei Bedarf wird gemeinsam die videoendoskopische Schluckdiagnostik durchgeführt. Zur Verlaufsbeobachtung der Patientenfortschritte kommen auch moderne Techniken wie digitale Videoaufnahmen zum Einsatz.

Nach Abschluss der Akutüberwachung wird der Patient auf die angrenzende Normalstation verlegt und vom bisherigen Team weiter behandelt, bis er nach Hause entlassen oder in die Rehabilitationsklinik verlegt wird.

Zur Festigung des Rehabilitationserfolges gibt es als Zusatzangebot eine Reha-Sportgruppe nach Schlaganfall, ebenfalls tagt wöchentlich der Gesprächskreis für Angehörige von Patienten mit Schlaganfall.

Ziel der Schlaganfallbehandlung ist ein möglichst behinderungsfreies, selbstständiges und selbstbestimmtes Leben.

Zertifizierung der Schlaganfalleinheit

Im Ja­nu­ar 2014 wurde die Schlag­an­fal­lein­heit des Kli­ni­kum Land­kreis Tutt­lin­gen durch die Deut­sche Schlag­an­fall­ge­sell­schaft als Lo­ka­le Schlag­an­fall­sta­ti­on zer­ti­fi­ziert. Nähere Informationen sowie das Zertifikat finden Sie in unserer Rubrik Qualitätsmanagement.

Telemedizin bei Schlaganfall

Die seit Langem bestehende Kooperation zwischen Ärzten aus dem Klinikum Landkreis Tuttlingen und der Uni-Klinik Freiburg wurde 2014 um die Teleneurologie wesentlich erweitert: Modernste Technik macht es möglich, dass Diagnose und Behandlung im Team mit den Experten der Uni-Klinik erfolgen.

Diese neue Art der Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Landkreis Tuttlingen und der Uni-Klinik kombiniert und gewährleistet eine wohnortnahe Rund-um-die-Uhr-Versorgung sowie eine hochqualifizierte Behandlung. Das Wichtigste aber: sie funktioniert. Das bestätigen nicht nur die Ärzte, auch die Patienten sind begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen die Teleneurologie bietet.

Sobald ein Schlaganfallpatient ins Tuttlinger Klinikum eingeliefert wird, wird auch das Team um Oberarzt Professor Jürgen Bardutzky im Uniklinikum Freiburg informiert, das 24 Stunden erreichbar ist. Zu den standardisierten Vorgehensweisen gehört eine Videokonferenz mit einem Freiburger Neurologen. In diesem Fall  erscheint einer der Freiburger Neurologen auf dem Bildschirm in Tuttlingen, der direkt am Patientenbett steht. Was aussieht wie ein einfacher Computer ist medizinische Spitzentechnologie. Der Freiburger Experte hat dabei auch die Möglichkeit, mit Spezialkameras unter anderem auch die Pupillen des jeweiligen Patienten zu untersuchen. Im Dialog mit den Tuttlinger Ärzten wird die weitere Vorgehensweise besprochen.

Mitgliedschaft im Interdisziplinären Neurovaskulären
Netzwerk Südwest (INVAS)

Die Medizinische Klinik Tuttlingen ist Mitglied des Interdisziplinären Neurovaskulären Netzwerkes Südwest, kurz INVAS.

Dieses Netzwerk wurde 2013 von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft als eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland anerkannt. Aufgabe und Ziel des Schlaganfallnetzwerks ist die Optimierung der Patientenversorgung durch standardisierte Behandlungspfade, Zuweisungskonzepte und Informationsaustausch sämtlicher Akut- und Rehabilitationskliniken innerhalb des Netzwerks. Hierzu haben sich im Interdisziplinären Schlaganfallnetzwerk Südwest (INVAS) neben dem Universitätsklinikum Freiburg 15 weitere Kliniken zusammengeschlossen. Darunter auch das Klinikum Landkreis Tuttlingen.

Weitere Informationen zum Interdisziplinären Neurovaskulären Netzwerk Südwest finden Sie unter diesem Link. 

 
 


 
 

Kontakt

Leitung

Oberärztin Dr. Karin Schoser

Zeppelinstr. 21

78532 Tuttlingen

 

Termine nach Vereinbarung

 

Sekretariat

Frau Karin Elmer-Kupferschmied

Tel. 07461/97-1331

Fax: 07461/97-5-1331

E-Mail medsek@klinikum-tut.de

Das Team

Leitende Oberärztin Dr. Karin Schoser

  • Internistin / Gastroenterologie
  • Geriatrie
  • Schlaganfallstation
  • ambulantes Endoskopiezentrum
  • Naturheilverfahren
  • Ernährungsmedizin
  • Ärztliche Leitung des Zentrums für Altersmedizin