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Geschichte Tuttlingen
 

 


Vom Spital zum modernen Gesundheitszentrum

Zur Geschichte des Tuttlinger Krankenhauswesens

Die Stadt Tuttlingen gehörte zu den württembergischen Städten, die schon früh ein Spital besaßen. Bereits 1320 wurde zum ersten Mal eine solche Einrichtung in der Donaustadt erwähnt, damals „Kindsklause" genannt. Für das Jahr 1528 ist der Bau eines „Armenleut - Hauses" überliefert. Die Spitäler des Mittelalters und der frühen Neuzeit haben mit den Krankenhäusern unserer Zeit allerdings nicht viel gemein. Denn sie waren in erster Linie Versorgungsanstalten für Arme, Alte und Gebrechliche. Bei einem Brand wurde das Tuttlinger Spital 1798 zerstört.

  
Anno 1819 richtete die Stadt Tuttlingen ein Armenhaus ein, um die Bedürftigen zu versorgen. Eine Krankenhausversorgung im eigentlichen Sinne fand in diesem „Katharinenhospital" vorerst allerdings nicht statt. Erst 1830 richtete die Stadt dort fünf Krankenbetten ein, davon drei für „reinliche Kranke" und zwei für „unreinliche Kranke". Im Jahre 1846 schließlich schuf die Stadt eine gesonderte Krankenanstalt innerhalb des Katharinen - Hospitals. 

Diese, an das Armenhaus angegliederte Einrichtung war aber schon nach wenigen Jahren hoffnungslos überlastet. Deshalb erhielt das Tuttlinger Hospital 1866 ein eigenes Gebäude im Gebiet „Steinewasen" an der Neuhauser Straße. Die Mehrheit der Patienten des Krankenhauses waren Mitglieder der Dienstbotenkasse, weshalb die Einrichtung auch als Dienstbotenkrankenhaus bezeichnet wurde. Das Hospital verfügte lediglich über elf eiserne sowie über 22 hölzerne Bettladen. Letztere stammen noch aus dem Katharinenhospital und wurden trotz vehementer Kritik des Oberamtsarztes übernommen: „Es werden jetzt nirgends mehr in der zivilisierten Welt Krankenhäuser mit hölzernen Betten ausgestattet." Das Krankenhaus an der Neuhauser Straße war in den 1870er Jahren offensichtlich in sehr schlechtem Zustand. Als nämlich Stadtpfleger Storz in Begleitung eines Gemeinderats das Krankenhaus besuchte, kam ihm - so ein Bericht - beim Öffnen der Zimmer „ein wirklicher Leichengeruch entgegen, so dass es kaum möglich war in den Zimmern sich verweilen zu können". Im oberen Saal lagen Betten, Bettüberzüge und Gerätschaften durcheinander, „gleichsam wie Heu und Stroh". Das Dienstbotenkrankenhaus in der Neuhauser Straße arbeitete bis in das 20. jahrhundert hinein.

Es war trotz einer Steigerung der Bettenzahl auf 37 im Jahre 1900 stets überbelegt. Eine grundlegende Verbesserung der Gesundheitsverordnung brachte erst der Bau des Bezirkskrankenhauses. 1909 konnte dieses eindrucksvolle und stattliche, mit 70 Betten ausgestattete Gebäude auf dem Leutenberg seiner Bestimmung übergeben werden. Geleitet wurde es von einem Chefarzt - einem Chirurgen - dem alle Abteilungen unterstanden. Im Jahre 1930 kam eine Sonderabteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen hinzu. Und 1932 wurde schließlich ein Internist als Chef der Inneren Abteilung angestellt.

Der Träger des Bezirkskrankenhauses, der Oberamtsbezirk Tuttlingen, sah sich schon nach zwei Jahrzehnten gezwungen, das Gebäude zu erweitern. Der Anbau in den Jahren 1930-32 kostete immerhin 1,85 Mio Reichsmark, eine für damalige Verhältnisse beträchtliche Summe. Fortan verfügte das Bezirkskrankenhaus über mehr als 200 Betten. Seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 belegte die Wehrmacht mehr als die Hälfte der Betten und richtete im Krankenhaus, das nunmehr Kreiskrankenhaus hieß, ein Lazarett ein. Das Kriegsende 1945 brachte allerdings keine Entspannung, denn die französische Besatzungsmacht beschlagnahmte das Gebäude, das nun französisches Feldlazarett wurde. Die Kranken mussten in die Gebäude Alleenstraße 10 und 13 ausquartiert werden. Erst im Mai 1946 konnten Personal und Patienten nach Auflösung des französischen Feldlazaretts das Kreiskrankenhaus auf dem Leutenberg wieder beziehen.

Die 1950er und 60er Jahre brachten ein stetes Bauen. Das Kreiskrankenhaus wurde im Inneren großzügig erneuert und wesentlich vergrößert. Die Kapazität stieg auf 300 Betten. In den Jahren 1964 bis 1967 erstellte der Kreis ein Schwesternwohnheim, und Ende der 1960er Jahre konnte der Operationstrakt erweitert werden. Im Jahre 1975 beschloss der Kreistag eine Generalisierung des Krankenhauses durchzuführen. In insgesamt drei Bausabschnitten, von 1977 bis 1992, wurden fast 100 Mio. DM in das Krankenhaus investiert.

Im ersten Bauabschnitt entstanden ein neuer Bettenflügel, Küche und Eingangsbereich. Im 2. Bauabschnitt wurde ein Funktionsneubau erstellt und alle Arzt- und Behandlungseinrichtungen wurden auf den heutigen Stand der Technik gebracht. Im 3. Bauabschnitt errichtete man einen Neubau, in dem Pflegestationen, die Dialysestation, Archiv, Zentrallager und Verwaltungsräume Platz fanden.

Im Jahr 2008 stand die Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes auf das Klinikdach und die Erweiterung des Parkplatzangebots im Vordergrund.

Im Jahr 2010 begannen dann die Vorbereitungsarbeiten für das neue Bettenhaus mit drei hochmodernen Stationen. Das Bettenhaus ging im Oktober 2012 mit zwei Normalstationen und einer Komfortstation in Betrieb.

Damit verfügt Tuttlingen heute nicht nur über ein leistungsfähiges Krankenhaus, sondern bietet der Bevölkerung darüber hinaus auch den Komfort eines modernen Gesundheitszentrums.