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Schulterprothese kann auch in hohem Alter noch sinnvoll sein
Großes Interesse an Dr. Haugers Vortrag zur Schulter-Endoprothetik im Zuge von "Ärzte im Dialog". Welches Implantat ist für wen das richtige?

Bei vielen Menschen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, machen sich im Laufe der Zeit sich Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Bereich der Schulter bemerkbar. Oft hat nach Verletzungen Verschleiß eingesetzt. Bis zu einem gewissen Punkt lassen sich die Beschwerden mit Schmerzmitteln und Physiotherapie lindern. Im fortgeschrittenen Stadium einer Arthrose im Schultergelenk kann jedoch der Einsatz einer Schulterprothese notwendig werden. Was es dabei zu beachten und zu bedenken gilt, erläuterte Dr. Matthias Hauger, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT), einer großen, sehr interessierten Zuhörerschaft im Zuge der Reihe „Ärzte im Dialog“. Dr. Hauger hat das Endoprothetikzentrum am KLT aufgebaut und ist als einer der Hauptoperateure für Schulterendoprothesen ein absoluter Fachmann.
Zu einer Schulterarthrose kommt es wesentlich seltener als zu einer Arthrose von Knie oder Hüfte, da die Schulter keine Last zu tragen hat. Nur rund drei Prozent aller Arthrosen betreffen daher die Schulter. Allerdings steigt die Zahl der Fälle mit zunehmendem Alter. Und tatsächlich kann hier eine Prothese auch im hohen Alter noch sinnvoll sein. Dass es ein solches Implantat den Betroffenen wieder erlaubt, Alltagsaktivitäten auszuführen und ihre Lebensqualität zu verbessern, verdeutlichte der Chefarzt anhand von Videos: Die hier aufgenommenen Patientinnen und Patienten hatten schon einige Wochen nach der OP beträchtliche Fortschritte in puncto Beweglichkeit gemacht, wobei das Endergebnis, so Dr. Hauger, je nach Prothesentyp, erst nach sechs oder mehr Monaten erkennbar werde.
Die Chirurgen haben die Wahl zwischen verschiedenen Prothesenlösungen, wobei Dr. Hauger grundsätzlich kurzschaftige Impantate bevorzugt, die ohne Knochenzement eingesetzt werden können, wenn es die Knochenqualität zulässt. Doch natürlich kommt es stets auf die individuelle Problematik an, die die Schulter einer Patientin oder eines Patienten aufweist.
Bei der anatomischen Schulter-Totalendoprothese (TEP) wird das künstliche Gelenk dem natürlichen Vorbild nachempfunden. Der Oberarmkopf wird durch eine Metallkugel ersetzt und die natürliche Gelenkpfanne durch eine Kunststoffschale. Dieser Prothesentyp wird eingesetzt, wenn die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette intakt sind.
Ist eben das nicht der Fall, kommt eine inverse Prothese zum Einsatz, wobei die natürliche Anatomie umgekehrt wird: Der künstliche Gelenkkopf wird auf das Schulterblatt an die Stelle der natürlichen Pfanne geschraubt, und die künstliche Pfanne wird am Oberarmknochen befestigt. Durch die Verlagerung des Drehpunkts übernimmt der kräftige Deltamuskel die Funktion der defekten Sehnen und ermöglicht so ein schmerzfreies Anheben des Arms.
Sehr anschaulich erklärte Dr. Matthias Hauger in diesem Kontext den komplexen Aufbau des Schultergelenks und die Problematik, die bei Verletzungen entsteht: So sei der Humeruskopf, also der obere, halbkugelförmige Teil des Oberarmknochens, vergleichbar mit einem Tischtennisball, den mehrere Gummibänder in der richtigen Position halten. Sobald eines dieser Bänder reiße, verändere sich aber die Position der Kugel – der Humeruskopf wird aus der Gelenkpfanne nach oben gedrückt, und man kann den Arm nicht mehr heben.
Ist die natürliche Gelenkpfanne am Schulterblatt noch intakt, kann der Operateur außerdem auf eine schaftfreie Schulterprothese zurückgreifen. Deren wesentlicher Vorteil liegt darin, dass der Oberarmknochen intakt bleibt und bei einem späteren Prothesenwechsel alle chirurgischen Optionen zur Verfügung stehen. Diese Version wählt man häufig bei jüngeren, aktiven Patientinnen und Patienten, deren Knochen sich in gutem Zustand befinden.
Wer eine Schulterprothese benötigt, müsse mit einem Klinikaufenthalt von fünf bis sechs Tagen rechnen, erklärte Dr. Matthias Hauger auf Nachfragen von Zuhörern. Daran schließt sich eine in der Regel dreiwöchige Reha an. Als Vorbereitung auf eine Operation hält der medizinische Experte, sofern die Schultersehen noch intakt sind, sanfte Bewegungsübungen im Wasser oder Physiotherapie für geeignet.
Summerschool für Medizinstudierende
Vom 27. bis 29. Juli findet die Summerschool für Medizinstudierende in Zusammenarbeit mit der Aesculap Academy am Klinikum Landkreis Tuttlingen statt. Die Studierenden können hier wertvolle klinische Erfahrungen sammeln. Anmelden kann man sich ab sofort über Mail l.eble@klinikum-tut.de
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