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Schwache Blase: Es muss nicht immer gleich eine OP sein
Bei Dr. Lucas Hegenscheid ist der Konferenzraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Thema "Harninkontinenz" stößt auf riesiges Interesse vor allem bei Zuhörerinnen.

Mit Harninkontinenz plagt sich mehr ein Drittel der Gesamtbevölkerung – das Leiden ist damit weit mehr verbreitet als Bluthochdruck oder Diabetes – besonders unter Frauen; etwa jede dritte bis vierte leidet darunter, meist im fortgeschrittenen Alter. Dem entsprechend groß war das Interesse am Vortrag des erfahrenen Chefarztes der Klinik Tuttlinger Frauenklinik, Dr. Lucas Hegenscheid. Der hatte eine Botschaft für die Zuhörerinnen, die Hoffnung macht: Eine Blasenschwäche lässt sich medizinisch sehr gut behandeln oder zumindest deutlich verbessern.
In seinem Vortrag ging der Chefarzt allerdings nur am Rande auf operative Verfahren ein; vielmehr stellte Dr. Hegenscheid konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Hausmittel oder auch die medikamentöse Therapie in den Vordergrund. Der Konferenzraum des Klinikums war bis auf den letzten Platz gefüllt, vor allem mit Zuhörerinnen. Was nicht weiter verwundern muss, da Frauen aufgrund ihrer Anatomie anfälliger für Inkontinenz sind als Männer.
Dr. Hegenscheid machte deutlich, dass es für das Auftreten unkontrollierbaren Harndrangs verschiedene Auslöser gibt, wenn es auch nicht möglich sei, eine „Hauptursache“ dafür zu definieren: Wechseljahre und fortschreitendes Alter müsse man in Betracht ziehen, einen sinkenden Hormonspiegel und erschlaffendes Bindegewebe wirkten sich aus. „Genussgifte“ wie Süßes oder Rauchen setzten mit der Zeit den Gefäßen zu und schwächten das Gewebe, und sicherlich falle ins Gewicht, dass Babys immer größer werden und bei der Geburt den Beckenboden der Mutter schädigen können. Allerdings zeigten Studien unter Nonnen, die keine Kinder zur Welt bringen und im spirituell geprägten Alltag auch weniger dem Genuss huldigen, dass die Inkontinenz unter der Bevölkerung gleichmäßig verteilt ist – denn auch die Klosterfrauen leiden im allgemeinen Ausmaß unter Blasenschwäche.
Die Behandlung der Harninkontinenz und Therapie der Senkungserkrankungen ist einer der Schwerpunkte der Gynäkologen am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT). Chefarzt Dr. Hegenscheid zeigte auf, wie wichtig eine gründliche Anamnese ist, und dass es in gewissem Umfang auch Alternativen zum chirurgischen Eingriff gibt, etwa eine Botox-Injektion, die die Blasenmuskulatur entspannt und unkontrollierte Kontraktionen verhindert, bei denen sich die Blase entleert. Botox, an sich ein hoch wirksames Nervengift, könne hier völlig gefahrlos über Jahre hinweg verabreicht werden. Eine weitere Maßnahme seien neben dem Tragen eines Pessars auch die Elektrostimulation, und letztlich gebe es auch neue Medikamente, die das vegetative Nervensystem entspannen und damit die Blasenfunktion wieder kontrollierbar machen. Bei der Dranginkontinenz haben sich aus Hegenscheids Sicht besonders neuere Präparate wie Betmiga oder Obgemsa bewährt.
Allerdings könne man das Problem auch mit den Möglichkeiten der Komplementärmedizin angehen oder auf Altbewährtes setzen. So könnten Heilpflanzen, wie sie einst schon Hildegard von Bingen verwendet hat, Linderung bringen. Auch das Training bestimmter Verhaltensmuster sei empfehlenswert, wie etwa Blasentraining, angepasstes Trinkverhalten oder auch Entspannungstechniken.
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